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Friedrich der
Große war von Steuben so angetan, dass er ihm eine Aufgabe in seinem
Hauptquartier zugedachte. Seine Erfahrungen die er im Generalstab der
preußischen Armee gesammelt hatte, u.a. seine Studien der ihm bis dahin
unbekannten Strategien der Englischen und Französischen Armeen, führten zu
seinem umfangreichen Wissen, das er später benötigte, um aus den tapferen
amerikanischen Freiheitskämpfern eine schlagkräftige Armee zu formen.
1763 wurde
Friedrich Wilhelm von Steuben, 33-jährig, im Range eines Hauptmanns aus
der königlichen preußischen Armee entlassen. Die Gründe, die zu seiner
Entlassung führten sind spekulativ.
Adelsstand und arbeitslos
Ein Jahr später wurde Steuben in den Adelsstand erhoben, als er zum
Kammerherrn des Prinzen von Hohenzollern-Hechingen ernannt wurde. Der
Baron von Steuben, so sein Adelstitel, war dann der einzige Höfling, der
seinen Prinzen 1771 nach Paris begleitete, wo beide hofften, sich Geld
leihen zu können. 1775 kehrten sie tief enttäuscht und ohne Gelder
aufgetrieben zu haben, dafür noch höher verschuldet als zuvor, in ihre
Heimat zurück.
Auf der Suche nach
einer Arbeit, versuchte sich Baron von Steuben bei einigen ausländischen
Armeen anwerben zu lassen, was ihm nicht gelang.
Licht am Ende des Tunnels: Amerika
Dann hörte er davon, dass sich Benjamin Franklin zur Zeit in Paris
aufhielt. Steuben sah hier eine Chance für sich. Er musste wieder nach
Paris, um Franklin zu treffen und sich und seine Dienste für die
Kontinental Armee anzubieten.
Im Sommer 1777
reiste Baron von Steuben in die französische Hauptstadt. Das Glück wollte
es, dass ihn der Count Claude Louis de Saint-Germain bei seinen Bemühungen
eine Arbeitsstelle zu finden, unterstützte und sein Können und seine
Erfahrungen als preußischer Generalstabsoffizier dem Gesandten Benjamin
Franklins nahe legte. In einer Depesche stellte Benjamin Franklin seinem
Präsidenten George Washington den Baron von Steuben vor. Franklin
schwärmte in den höchsten Tönen von Steuben und machte ihn in seinem
Bericht, etwas übertreibend, zum Generalleutnant der königlichen
preußischen Armee. George Washington ließ sich überzeugen und so verließ
Friedrich Wilhelm Baron von Steuben kurze Zeit später von Marseilles aus
den europäischen Kontinent.
Freiwilliger in Amerikas Armee
Am 26. September 1777 kam er im Hafen von Portsmouth, New Hampshire, ein
und lies sich bis zum 1. Dezember in Boston, Massachusetts, nieder.
Kontakte zum Kontinental Kongress hatte Steuben während dieser Zeit nicht,
erst als sich der Winter dem Ende zuneigte, hatte er am 5. Februar 1778
seinen Auftritt vor dem Continental Congress in York, Pennsylvania. Der
Kongress bestätigte Steuben, allerdings bekam er als Freiwilliger, der er
war, keinen Sold.
Am 23. Februar meldete er sich bei General Washington in Valley Forge,
Pennsylvania, zum Dienstantritt. Steuben sprach kein Wort Englisch, aber
mit seinen Französisch-Kenntnissen konnte er dennoch mit den meisten
Offizieren kommunizieren. Sowohl General Washington's Adjutant Alexander
Hamilton, als auch General Nathanael Greene, waren in diesem Bereich die
tatkräftigsten Unterstützer von Steuben, als er an seine Aufgabe ging, ein
Ausbildungsprogramm für die Soldaten auf die Beine zu stellen. Seine
Vorschläge fanden beim Commander-in-Chief, eine breite Zustimmung.
Ausbilder Steuben
Steuben hatte in erster Linie die Frage zu lösen, wie er aus einem
zusammen gewürfelten Haufen von mutigen Männern, jedoch Individualisten,
eine schlagkräftige Armee machen konnte.
Steuben begann mit einer "Musterkompanie", die aus 100 handverlesenen
Männern bestand. Diese unterrichtete und trainierte er in der Kriegskunst.
Als ehemaliger preußischer Offizier waren ihm die verschiedensten Taktiken
der europäischen Armeen bekannt, das beste aus allen entlehnte er,
verbesserte es und 'vermittelte' dies in recht rauer und fluchender Art,
in einem Kauderwelsch aus Deutsch und Französisch, seinen Rekruten.
Auf Disziplin legte Steuben den allergrößten Wert, stets war er ein
Vorbild für seine Soldaten. Von morgens bis abends drillte er persönlich
seine Truppe. Der Eklektiker Steuben hatte eine ausgeprägte Persönlichkeit
und sein Mythos wuchs stetig mit seiner Arbeit in der neuen Welt.
Einziges Manko,
was ihm blieb, war sein mangelndes Englisch, was zu Problemen beim
Vermitteln seines Wissens führte und so ließ sich Steuben von seinem
französisch sprechenden Dolmetscher Hauptmann Benjamin Walker
unterstützen.
Als das Ausbildungsprogramm beendet war, waren alle Männer in der Lage,
andere Brigaden auszubilden. So nahm die Kontinental Armee allmählich
Gestalt an. Interessant ist in diesem Zusammenhang, das die amerikanischen
Rekruten heute noch nach den strengen Methoden des Friedrich Wilhelm von
Steuben gedrillt werden.
Handbuch zur Kriegsführung
Die Kriegsführung im 18. Jahrhundert war eine verhältnismäßig leichte
Aufgabe, sobald sich die Truppen in Schlachtordnung erst einmal auf dem
Schlachtfeld befanden. Alle Regeln und Abläufe, wurden in einem Handbuch,
schwarz auf weiß, von Steuben zu Papier gebracht. Dort war alles über die
Schlachtordnung, Zündfolge, Handhabung der Waffen, Nachladen, etc.
nachzulesen. Das Handbuch war so detailliert, dass es sogar den genauen
Ablauf vom Schuss bis zum nächsten Schuss beschrieb. Acht Schritte waren
nach der Meinung Steubens erforderlich. Dieser Ablauf war neu. Die Männer
wurden so gedrillt, dass sie diese Abläufe mechanisch beherrschen
mussten.
So schwer der neue
Ablauf vom Schuss bis zum erneuten Schuss auch zu erlernen war, so erwies
sich dies in der Praxis als einfacher, als die Feuer-Regeln der
feindlichen europäischen Armeen.
Preussische Ordnung in der Schlacht
Zu Zeiten des Revolutionskrieges standen sich Armeen meistens noch Auge in
Auge gegenüber und so konnte man eine Schlacht durchaus gewinnen, wenn die
Männer diszipliniert nach Befehl vorgingen und ihr Handwerk im Schlaf
verstanden. Bei den gegnerischen europäischen Armeen kam es häufig vor,
dass auf Grund mangelnder Disziplin der Soldaten oder in Folge der
Stress-Situationen die Soldaten nicht mehr in der Lage waren, auf die
gegnerischen Truppen ein konzentriertes Feuer abzugeben. Vielmehr schoss
man darauf los, wenn man nachgeladen hatte. Um die Feuerkraft zu erhöhen,
legte Steuben Wert darauf, dass immer in Salven geschossen werden musste.
Latrinenordnung, Hygiene
Ein anderes Programm, dass Steuben entwickelte betraf die Lagerhygiene.
Steuben erkannte schnell, dass die katastrophalen hygienischen Zustände
seinen Soldaten erheblich zu schaffen machten und das dadurch die
Kampfeskraft geschwächt war. Als erstes führte er eine bis dahin
unbekannte Lagerordnung ein, die genau vorsah, wo die Zelte und
Unterkünfte zu stehen hatten. Zwischen den Zelten ließ er Lagerstrassen
anlegen. Auch durften sich die Soldaten nicht mehr an jeden beliebigen Ort
ihrer Notdurft entledigen. Steuben führte die Latrinen ein und legte fest,
dass diese abseits des Camps errichtet werden mussten. Auch Tierkadaver,
die dort liegen blieben und verfaulten, wo sie verendeten und aus denen
sich die Männer bei Bedarf ein Stück Fleisch herausschnitten, mussten
wegen der Seuchengefahr entsorgt werden.
Feldküche
Und damit sich die Soldaten nicht selbst versorgen mussten, wurde die
Gemeinschaftsverpflegung eingeführt. Die Kantine hatte sich nach Steubens
Anweisungen, entgegengesetzt der Latrinen zu befinden. Auch teilte er
Männer ein, die für die Sauberkeit der Kantine und Latrinen zuständig
waren. So etablierte er Hygiene-Standards, die noch eineinhalb
Jahrhunderte später bestand haben sollten.
Schlachten & Erfolge
Die Kampfkraft seiner von ihm ausgebildeten Kompanie, stellte Steuben am
20.Mai 1778 in Barren Hill und wenig später in der Schlacht beim Monmouth
Courthouse in der Stadt Freehold im Monmouth County, New Jersey, unter
Beweis. Diese Schlacht schien für die Kontinental Armee bereits verloren
zu sein, als Steuben seine Männer ins Kriegsgetümmel warf und zu einem
grandiosen Sieg führte.
Karriere
Daraufhin empfahl George Washington dem Kongress, Steuben zum
Generalinspekteur der Armee, im Range eines Generalmajors, zu befördern.
Am 5. Mai 1778 stimmte der Kongress dieser Empfehlung zu. Im Sommer 1778
diente Steuben in General Washingtons Hauptquartier. Dort berichtete
Steuben ausführlich über die Schlacht bei Monmouth.
Im Winter 1778/1779 schrieb von Steuben ein wichtiges militärisches Werk
mit dem Titel "Regulations for the Order and Discipline of the Troops of
the United States".
Dieses Ausbildungshandbuch wurde später das Standardwerk der
amerikanischen Armee und ist es in modifizierter Form noch heute.
Mehr als ein Jahr später, in dem er sich mit der weiteren Verbesserung der
Armeestruktur befasste, begab er sich mit Nathanael Greene, der zum
Befehlshaber der kontinentalen Südarmee befördert worden war, auf Reisen.
In Virginia machten sie Quartier. Als die Engländer unter der Führung von
General Charles Cornwallis in Virginia einmarschierten, diente Steuben
unter dem Marquis de Lafayette. Anschließend nahm Steuben als Berater von
Nathanael Greene an den Kämpfen im Süden teil.
Später nahm von
Steuben an dem letzten Feldzug in Stony Point bei Yorktown, der Schlacht
bei Yorktown, teil. Steuben hatte das Kommando über eine von drei
Divisionen.
Nachkriegsaufgaben
Nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg assistierte er George
Washington bei der Demobilisierung der Armee und war maßgeblich daran
beteiligt, den Verteidigungsplan für die neue Nation zu entwerfen.
Im März 1784 wurde
Friedrich Wilhelm Baron von Steuben amerikanischer Staatsbürger.
Im gleichen Jahr, am 24. März 1784 wurde er mit allen Ehren aus dem
Militär entlassen.
Steuben ließ sich im Staat New York nieder, aber sein geschäftlicher
Spürsinn war nicht sehr ausgeprägt und so dauerte es nicht lange bis er
wieder in finanzielle Nöte geriet.
Die Ursache seines
chronischen Geldmangels lag hauptsächlich auch darin, das er lange Zeit
auf einen finanziellen Ausgleich von der amerikanischen Regierung für
seine Verdienste wartete. Erst im Juni 1790 wurde ihm vom Staat eine
jährliche Pension von 2.500 Dollar bewilligt.
Das half ihm über
die Runden zu kommen, aber seine Schulden konnte er damit nicht tilgen.
Aber von Steuben
hatte gute Freunde, einer davon war Alexander Hamilton. Seine Freunde
halfen ihm mit 'Geldspritzen' über die ärgsten Nöte hinweg.
Auch für eine
Hypothek bürgten sie, damit Steuben ein Haus im Oneida County bauen
konnte. Das fast 6.500 ha Grundstück, auf dem das Haus stehen sollte,
bekam er vom Staat New York geschenkt.
Letzte Ehrung
Am 28. November 1794 starb Friedrich Wilhelm von Steuben. Da er
unverheiratet war, vermachte er seinen Besitz seinen ehemaligen Adjutanten
William North und Benjamin Walker.
Die amerikanische
Nation ehrte ihn mit einem Heldengrab im Steuben County.
Die Inschrift auf
seiner Bronzetafel lautet:
"Indispensable to the Achievement of American Independence".
Auch heute noch gedenken die Amerikaner mit der Steuben-Parade, die sich
alljährlich im September durch die Straßenschlucht auf der 5th Avenue in
New York City schlängelt, an Friedrich Wilhelm von Steuben. |