Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

unserer Heimatstadt!

Liebe Schützenbrüder!

 

Heute versammeln wir uns an diesem ehrwürdigen Mahnmal unserer Heimatstadt Geseke, um innezuhalten – und um zu erinnern. Wir gedenken der gefallenen Soldaten, zivilen Opfern der beiden Weltkriege und all jener Menschen, die in kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Leben verloren haben. Ihr Leid verpflichtet uns. Es mahnt uns, aus der Vergangenheit eine Zukunft zu gestalten, die geprägt ist von Frieden, Freiheit und Menschlichkeit.

 

Dieses Mahnmal ist nicht nur ein Ort der Erinnerung. Es ist ein Ort der Mahnung. Es führt uns vor Augen wie zerbrechlich Frieden ist – und wie kostbar Freiheit und Würde sind. In diesen stillen Momenten des Gedenkens tragen wir nicht nur Trauer um unsere verlorenen Mitmenschen – wir tragen auch Verantwortung. Verantwortung dafür, dass die Opfer früherer Generationen nicht vergebens waren.

 

Es bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen – für die Gegenwart und auch für die Zukunft. Gerade wir in Deutschland sollten sehr wohl wissen, wohin es führt, wenn Demokratie zerstört wird – wenn Hass, Ausgrenzung und Ideologie über Menschlichkeit siegen. Die Verbrechen des Nationalsozialismus bleiben eine dauerhafte Verpflichtung: für Freiheit, für Respekt und für die unantastbare Würde jedes Menschen einzustehen.

 

Deshalb gilt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht uns alle. Daher müssen wir wachsam bleiben gegenüber den Gefahren für unsere Demokratie.

 

Gerade hier in Deutschland, wo die Demokratie nach zwei verheerenden Weltkriegen mühsam aufgebaut und bewahrt wurde, wissen wir um ihren Wert und ihre Verletzlichkeit.

 

Gemäß der UN gibt es auf der Welt 195 anerkannte Staaten, davon haben lediglich 25 Staaten eine freiheitlich demokratische Grundordnung, so wie wir sie aus unserem Grundgesetz kennen. Nur 25!! Wie ich finde eine erschreckend geringe Zahl. Und wir hier in Deutschland haben das große Privileg in solch einem System leben zu dürfen, mit all seinen Vorzügen und vor allem mit all seinen Freiheiten.

 

Wir leben heute in einem politischen System, das Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Teilhabe ermöglicht. Doch weltweit ist diese Form des Zusammenlebens keineswegs selbstverständlich. Demokratische Strukturen stehen vielerorts unter Druck – durch autoritäre Tendenzen, durch Konflikte, durch Instabilität.

 

Umso mehr müssen wir uns bewusst machen: Demokratie lebt nicht von allein. Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie lebt von Haltung, von Mitwirkung und von Verantwortung. Wir müssen alle gemeinsam etwas dafür tun, dass das auch zukünftig so bleibt. Es ist unser Auftrag aus der Vergangenheit, für die Zukunft einzustehen.

 

Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne einen Schlussstrich unter die Erinnerung ziehen. Wer die Erinnerung beendet, riskiert die Zukunft der Demokratie.

 

Der Entertainer Hape Kerkeling hat es im April in seiner Rede zum Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald treffend formuliert: „Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen. Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre ein Schlussstrich unter unsere Demokratie.“

 

Das Erinnern und das Gedenken sind sehr wichtig. Erinnerung ist kein Blick zurück. Erinnerung ist ein Schutzschild für das, was vor uns liegt. Sie lebt von Mut, Zusammenhalt und Solidarität. Demokratie ist weit mehr als ein politisches System. Sie ist ein Prinzip der Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen.

 

In einer Welt, die momentan von globalen Unsicherheiten, weltumfassenden politischen Spannungen und wirtschaftlichen Krisen geprägt ist, wächst das Bedürfnis nach Orientierung und Zusammenhalt. Menschen sehnen sich nach Stabilität. Die Sehnsucht nach Einheit, nach einem harmonischen Miteinander, nach Gerechtigkeit, ist ein Grundbedürfnis aller Menschen.

 

Mahatma Gandhi brachte dies auf den Punkt als er sagte: „Unter Demokratie verstehe ich, dass sie dem Schwächsten die gleichen Chancen einräumt wie dem Stärksten.“ Dieses Zitat bringt klar zum Ausdruck, dass jeder Mensch zählt. Doch wie eingangs erwähnt ist Demokratie auch verletzlich. Doch genau diese Demokratie steht unter Druck. Sie kann ins Wanken geraten durch Gleichgültigkeit, durch Extremismus, durch Polarisierung und mangelnde Kompromissbereitschaft.

 

Dies alles erleben wir derzeit in einer Zeit, die uns alle mit großer Sorge erfüllt. Wenn wir auf die heutige Welt blicken sehen wir eine Vielzahl von Konflikten und Krisen. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählt gerade weltweit 365 politische Spannungen und gewaltsame Konflikte zwischen Staaten, Völkern und unterschiedlichsten ethnischen Gruppierungen, davon 27 Kriege.

 

Aktuell beobachten wir vornehmlich mit Schrecken die kriegerischen Auseinandersetzungen, die uns medial jeden Tag aufs Neue erschüttern. Kriege fordern täglich Menschenleben und zerstören Lebensgrundlagen.

 

Der Krieg in der Ukraine zeigt uns täglich, wie zerbrechlich Frieden in Europa geworden ist. Er erschüttert seit Jahren die europäische Friedensordnung. Im Gaza-Streifen erleben wir eine humanitäre Katastrophe mit unermesslichem Leid für die Zivilbevölkerung. Auch in anderen Regionen – etwa in Afrika oder dem Nahen Osten eskalieren Konflikte, die oft abseits unserer täglichen Wahrnehmung stattfinden. Leid, Zerstörung, Tod für Menschen mit Namen, mit Familien, mit Hoffnungen.  

 

Diese Entwicklungen zeigen uns: Frieden ist kein Zustand, der von selbst entsteht. Frieden muss gewollt, gestaltet und immer wieder verteidigt werden. Daher die zentrale Frage: Was ist uns Frieden überhaupt wert – und was sind wir bereit, dafür zu tun?

 

Frieden braucht Dialog. Er braucht Diplomatie. Er braucht Bereitschaft, eigene Interessen zurückzustellen zugunsten des größeren Ganzen. Alleingänge, Machtstreben und kurzfristiges Denken führen nicht zum Ziel. Was wir brauchen, sind Verständigung, Kompromissfähigkeit und vor allem gegenseitiger Respekt!

 

Mein Apell richtet sich daher an alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft weltweit: Setzen Sie alles daran, friedliche Lösungen zu finden. Stärken Sie den Dialog. Beenden Sie die Gewalt!

 

Doch auch wir selbst sind gefragt. Demokratie und Frieden brauchen Menschen, die Haltung zeigen. Menschen, die sich einbringen. Menschen, die den Mut haben, für Werte einzustehen – für Freiheit, für Menschlichkeit und für gegenseitigen Respekt.

 

Extremistische Ideologien und gezielte Desinformationen versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten. Dem müssen wir entschieden entgegentreten – mit Klarheit, mit Verantwortung und mit dem festen Bekenntnis zu einer freiheitlichen Ordnung.

 

Ich möchte an dieser Stelle auch meine Wertschätzung zum Ausdruck bringen und Danke sagen. Danke an all jene, die sich tagtäglich für den Erhalt und den Ausbau unserer Demokratie einsetzen. In der Politik, im Ehrenamt und mitten in unserer Gesellschaft. Sie alle tragen dazu bei, dass unsere Gemeinschaft stark bleibt.

 

Unsere Zukunft liegt in unseren Händen. Wenn wir zusammenstehen, Verantwortung übernehmen und unsere Werte leben – dann haben wir allen Grund, zuversichtlich zu sein.

 

Lasst uns heute, an diesem Ort das Gedenken erneuern. Lasst uns die Lehren der Vergangenheit annehmen und für eine Welt eintreten, in der Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen gelten.

 

Erinnerungen an die gefallenen Kameraden und Zivilisten dürfen nicht verblassen. Lasst uns heute innehalten und mit Dankbarkeit, aber auch Trauer und Hoffnung an die Opfer dieser dunklen Zeiten denken.

 

Mögen wir nie vergessen, was war. Mögen wir daraus lernen. Und mögen wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Lasst uns Mut fassen, uns für Frieden, für Versöhnung und Menschlichkeit stark zu machen. Denn nur so ehren wir wirklich die Erinnerung und schaffen eine Zukunft, in der Demokratie und Freiheit dauerhaft Bestand haben.

 

Möge dieses Mahnmal uns stets daran erinnern, dass Frieden und Demokratie Werte sind, für die es sich lohnt, zu kämpfen.

 

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit!

 

Herr Major, bitte übernehmen Sie!