Trotzen dem Regen: Das neue Königspaar Charlotte und Jan Eiserich ﹘ Foto: Emma Noltsch
Am Samstagvormittag regierten sie die Sebastianer noch: Johanna und Alexander Volmer. – Foto: Daniel Kossack
Kardinal Reinhard Marx hielt die Predigt in der Stadtkirche. – Foto: Daniel Kossack
Mehrere Schützen ehrte die Bruderschaft morgens auf dem Marktplatz. – Foto: Daniel Kossack
Geseke – Rund 1000 angetretene Schützen, hunderte Musiker, dutzende Gäste aus Vereinen, viel Beifall am Wegesrand: Das Hochfest der Sebastianer ist in vollem Gange. Vor dem Vogelschießen am Mittag, zogen die Geseker aber erstmal durch die Stadt. Mit dabei: Kardinal Reinhard Marx.
Der Kardinal und Erzbischof reiste, wie schon so oft zuvor, extra aus München an, um am Schützenfest seines Heimatvereins teilzunehmen. Dabei leitete er auch die Messe in der Stadtkirche (gemeinsam mit Rainer Stahlhacke, Norbert Scheckel, Thomas Zwingmann, Martin Tilles, Horsten Hasse, Marko Vidović und Uwe Schläger) und hielt die Predigt. „Schützenfest ist absolut nötig“, so der 72-Jährige. Wieso, das erklärte er direkt mit: Solche Feste zu feiern und in Gemeinschaft zusammenzukommen sei eine Unterbrechung des Alltags, mit Hoffnung, Leichtigkeit und Freiheit. Das zeige auch, was das Menschsein ausmache. Denn in Zeiten, in denen KI immer mehr zu übernehmen scheint, gehe es eben darum: „dafür zu sorgen, die Menschlichkeit zu erhalten“. Das mache auch der Papst in seiner Enzyklika zur künstlichen Intelligenz deutlich.
Es gelte, das Gute zu fördern, denn diese wachse nicht von allein. „Das Schlechte gedeiht sowieso“, so Marx. Dabei spannte er auch einen Bogen zur Demokratie, er mehr und mehr erschöpft sei. „Da findet die AfD auch Nahrung.“ Demokratie sei eine Aufgabe, ja, „harte Arbeit. Nichts Gutes läuft von selbst. Nur das Negative.“ Es sei also wichtig, als Christ mitzumischen und „Zeugnis abzugeben, dass wir ein christliches Menschenbild leben“.
Überdies gab er noch Antworten auf die Frage, wie es gelänge, glücklich zu sein: Mit Dankbarkeit, auf der Welt zu sein und jeden Tag so zu genießen und mit Dankbarkeit für Freunde und Familie. „Niemand wird glücklich ohne Liebe.“ Die dritte Säule: die Dankbarkeit, Jesus gefunden zu haben.
Die Messe nutzte Schützenoberst Hans-Georg Dröge, um Uwe Schläger etwas außer der Reihe zu ehren – der Rahmen war aber gut gewählt: Denn der Pfarrer feierte nicht nur die Messe mit, sondern auch sein 30-jähriges Vorstandsjubiläum als Präses (heute Ehrenpräses) der Bruderschaft. „Auf unseren Jubilar ein dreifach kräftiges Horrido, Horrido, Horrido“, rief der Oberst – und die Kirche antwortete. Das brachte den Kardinal zum schmunzeln: „Ein Horrido in der Kirche. Das ist das erste Mal in 600 Jahren gewesen“, rief er lachend. „Schreibt das auf!“ In der Kirche sammelten die Schützen auch für den guten Zweck: Insgesamt 3245 Euro (vom Verein aufgestockt auf 4000 Euro) gehen an den Verein für Heimatkunde Geseke sowie Nachbarn in Not Lippstadt.
Schläger war unterdessen nicht der Einzige, der am Samstag geehrt wurde: Bereits zuvor ehrten die Schützen mehrere Mitglieder auf dem Marktplatz: Bernd Flick erhielt die Auszeichnung für Schützenmusiker in Bronze; das Silbernen Verdienstkreuz erhielten Thomas Klages, Niklas Rullmann, Tobias Wellen und Frederick Wernze. Der Hohe Bruderschaftsorden geht an Andreas Hahnel, Björn Kurze und Thomas Gockel.
Über die Gefahren für die Demokratie sprach Oberst Hans-Georg Dröge später auch am Ehrenmal, bevor die Schützen dort einen Kranz niederlegten. „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“, betonte er. Sie lebe von Verantwortung, Mitwirkung und einer klaren Haltung. Angesichts autoritärer Entwicklungen in vielen Teilen der Welt und gesellschaftlicher Polarisierung müsse jeder Einzelne dazu beitragen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu bewahren. Erinnerung sei dabei weit mehr als ein Rückblick – sie schütze die Demokratie und helfe, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen. „Demokratie ist weit mehr als ein politisches System. Sie ist ein Prinzip der Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen.“
Auch die zahlreichen Kriege und Krisen weltweit griff Dröge auf. Das Leid der Menschen in der Ukraine, im Gazastreifen und in weiteren Konfliktregionen zeige, wie zerbrechlich Frieden sei. Dieser müsse immer wieder neu errungen werden – durch Dialog, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft zum Kompromiss.
Zugleich warnte er vor Extremismus und gezielter Desinformation, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdeten. Demokratie könne nur bestehen, wenn Menschen Verantwortung übernähmen und sich aktiv für Freiheit, Menschenwürde und Respekt einsetzten.
Vom Ehrenmal ging es dann zur Parade auf den Rennenkamp und weiter zum Vogelschießen, das Vereins-Archivar Jan Eiserich für sich entschied. Königin wird seine Frau Charlotte.
Am Ehrenmal warnte Oberst Hans-Georg Dröge (2.v.l.) vor den Gefahren für die Demokratie. – Foto: Daniel Kossack
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